Schneetörn SSCRo 2016

Bericht Schneetörn vom 5./6. November 2016

Samstag Morgen, rund 20 Unentwegte (oder leicht Verrückte…..)  trafen sich im Restaurant Hafen zu Kaffee und Gipfeli. Judith hatte zum Schneetörn gerufen und offerierte Speis und Trank, ganz herzlichen Dank dafür. Nachdem auch Bruno den Weg in diese Lokalität gefunden hatte (Bruno: Restaurant Hafen, nicht Hafenglöggli 😄😄😄), eröffnete Judith den Anlass mit einigen Informationen.

Schneetörn 2016 SSCRo
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Die Organisation war dieses Mal eine echte Herausforderung, insbesondere die Klärung der elementar wichtigen und absolut zentralen Frage: Wo verköstige ich die durch Sturm und Schnee geschwächten Seeleute angemessen? In der Haltnau – die Motorboot-Kapitäne hätten sogar eine Sonderbewilligung zum Einlaufen erhalten, nur ist das nahegelegene Restaurant finanziell untergegangen. Der Fussmarsch bis Meersburg im Dunkeln wäre zu weit gewesen. Als Alternative peilte Judith den Hafen von Güttingen an mit dem Restaurant Schiff. Hier hat das Restaurant zwar noch Oberwasser, dafür der Hafen keine Stege mehr – er wird ausgebaggert. Wohin nun? In Kreuzlingen wird der SSCRo wohl Zuflucht finden. Das Clubhaus des Yachtclubs ist aber schon eingewintert, aber die Seglervereinigung Kreuzlingen gewährte noch Einlass. Judith vermeldete noch 14 Landgänger, welche zu uns stossen werden. Zudem sei Mithilfe gefragt beim Käse-Rühren……

Gut, Sturm und Schnee blieben aus – Föhn sei Dank. Die Crews machten Ölzeug und warme Socken klar. Bei wenig Wind, dafür aus unterschiedlichen Richtungen, und sehr mässigen Temperaturen ging es Richtung Kreuzlingen. Zwischendurch zeigte der Föhn Schwäche und es gab ein paar Regentropfen. Wir kamen mit der Najade nach gemütlicher Marschfahrt zuerst im Hafen an. Ich meldete mich sofort beim Hafenmeister, der mir strahlend die Hand entgegenstreckte und mich mit einem herzlichen „grüezi Frau König“ begrüsste. Ein sehr charmanter junger Mann, der Herr Grosso, wirklich. Als ich ihn über meine wahre Identität aufgeklärt hatte, fragte er, wo denn die anderen blieben. Nun, das dürfte noch ein Weilchen dauern. Das Aufgabeln all der kleinen Windfelder bis Kreuzlingen nimmt einige Zeit in Anspruch, wir waren mit Dieselwind unterwegs, das ging schneller. Nach und nach liefen die Crews ein, am Steg an der Aussenmole konnten fast alle nebeneinander fest machen. Inzwischen hatte der Föhn ganz aufgegeben und es setzte mässiger Regen ein, so dass sich die Crews bis zum Apéro in ihren Kajüten verkrochen. Pünktlich zur angesagten Apéro-Zeit kam wieder Leben am Steg auf. Im Klubraum brannte schon Licht und die Seeleute wurden vom warmen Schein der Lampen magisch angezogen. Kleine Zwischenfrage: Wie erkennt man bei Regen im fahlen Licht der Stegbeleuchtung von weitem, wer Segler und wer Motorbootfahrer ist? Segler haben Ölzeugjacken an, Kapuze ins Gesicht und Schulter hoch gezogen. Und dann sind da noch zwei Regenschirme auf dem Steg unterwegs: die Crews von MY MEDUSA und MY NAJADE……

20161105_194846Im gemütlichen und angenehm geheizten Klubraum begrüssten wir die Landgänger, welche auch schon fleissig beim Tisch decken und dekorieren geholfen hatten. Judith stellte uns Hilde, die Clubwirtin vor. Sie hatte ganz leckere Apéro-Häppchen angerichtet, die grossen Anklang fanden. Und dann schwang sich Judith auf einen Stuhl und stemmte eine sehr grosse Korbflasche in die Luft. Dass da nicht nur Leitungswasser drin war, sah man den schelmischen Augen von Judith von weitem an. Es handelte sich um einen 20-jährigen Mirabellenschnaps vom Hof von Judith‘s Eltern, fachmännisch gelagert in der „Schütti“ – im Sommer sengend heiss, im Winter eiskalt. Damit wird offenbar ein sehr feiner und aromatischer Schnaps erzeugt. Damit sollte der berüchtigte Käseklumpen nach dem Fondue verhindert werden.

Zuerst genossen wir aber dieses feine Fondue, mit mehr oder weniger oder ganz viel Knoblauch, je nach Gusto. Die ersten Gläschen Mirabelle wurden eingeschenkt. Die Früchte schmeckten wirklich ausgezeichnet – was die korrekte Lagerung doch für eine Wirkung zeigt. Die Gläser blieben jedenfalls nicht lange voll. Nach dem Fondue rief Judith zum gemeinen Obst schnipseln für den Fruchtsalat. Freiwillige gingen ihr sofort zur Hand.

Dann wurde es still im Raum. Judith’s Überraschungsgäste waren eingetroffen. Unser Clubmitglied, Susanne Fink, und Profimusiker Noldi Tobler verzauberten uns mit ihren Mundharmonikaduetten. Von Ländler bis Rock’n Roll war alles dabei, auch ganz klassische Stücke. Draussen der kalte Novemberregen, drinnen die gemütliche Atmosphäre, dazu ein feiner Fruchtsalat mit Meringues und Schuss, umrahmt von herrlicher Musik – eine wunderschöne Idee.

Anschliessend verteilte Judith jeder Crew ein kleines Fläschchen Mirabellenschnaps und Brötchen für’s Frühstück, auf dass keine Crew erfrieren oder verhungern musste. Lieben Dank dafür, Judith. Apropos erfrieren: Unser Präsident traute offenbar den Heizungen auf den Schiffen nicht all zu viel zu. Die besagte Korbflasche in den Händen, wandelte er stetig zwischen den Tischen umher und sorgte dafür, dass Erfrierungen in der kalten Novembernacht ausgeschlossen waren. Am Schluss hatte die ganze Truppe ohne die autofahrenden Landgänger 2,5 Liter Mirabellenschnaps im Blut. Die restlichen 1.5 Liter waren als Notreserve in die Fläschchen abgefüllt worden. Ich zitiere Judith: Ne rechte Süffelbande, aber sehr sympathisch……

Der Sonntag Morgen begrüsste uns mit Dauerregen, das Thermometer war arg gefallen. Die ersten Crews, dick verpackt, liefen zeitig aus, die einen oder anderen mussten für das Auswassern noch ihre Schiffe klar machen oder einen anderen Hafen anlaufen. Einige zogen es hingegen vor, in der wohlig warmen Kajüte noch etwas länger dem Regen zu lauschen und machten sich erst gegen Mittag auf Richtung Heimathafen. Wir verkrochen uns hinter quietschenden Scheibenwischern (die hatten wir offenbar zu wenig gebraucht während der Saison) im Steuermannshaus und liessen den Autopilot sein Werk verrichten. Im Hafen Romanshorn trafen wir dann noch die eine oder andere, von Kälte und Regen gezeichnete, rote Nase eines Seglers. Es ist definitiv Zeit, in den Winterschlaf zu gehen.

Liebe Judith, für das urgemütliche Wochenende danken wir dir von ganzem Herzen.

Brigitte Lanz